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wiki:metaphern_unterwegs_gefluegelte_worte

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Metaphern unterwegs: Geflügelte Worte

Der Ausdruck »Geflügelte Worte« beschreibt anschaulich, dass eine Redewendung kein definierter terminus technicus ist, sondern dass die dadurch ausgelöste Vorstellung vom festen Boden abhebt und dadurch eine andere Perspektive zulässt, also Metaphern des Unterwegs_Seins in Form von Doppelworten, Zwillingsformeln, Redensarten,Sprichwörtern und anderen Reisebildern,
Literaturliste zu Metaphern des Unterwegs-Seins
Synopse der Redewendungen

Die Werbung oder die Propaganda bedient sich gerne Geflügelter Worte etwa als Slogan oder Claimer, weil sie inklusiv wirken statt exklusiv: Jeder kann sich sein eigenes Bild hineinwünschen.

Die Metapher vom Geflügelten Wort ist bildverwandt mit den geflügelten Schuhen des Hermes (→ Reisegötter), den Flügeln des Pegasus, dem Flug des Ikarus und der Vorstellung des Reisenden und Wandernden etwa im Norwegischen (der Schwingende vǫnsuðr < Þul Veðra 1 III/1), weil wandernd die Arme um die Achsel schwingen und daraus ein beschwingter Gang folgt.

Daheim bleiben

  • Bleib im Lande und nähre Dich redlich.
    Das Zitat (Psalmen 36, 3) findet sich in mehreren Sprachen. Deutsches Sprichwörter-Lexicon von Karl F.W. Wander

Raumvorstellungen (21)

Liste der Raumvorstellungen

Freiheit (8)

Freiheit, Reisefreiheit

  • Der Duft der großen, weiten Welt.
    1958 schuf der Schweizer Fritz Bühler den Claimer der Zigarettenmarke Peter Stuyvesant für die Firma Reemtsma mit Bezug auf Petrus Stuyvesant, den Gouverneur von Nieuw Amsterdam, aus der dann New York wurde.
    • Der Duft der großen, weiten Welt – Unser Land in den 60ern.
      Vierteilige Filmreihe (je 45 Minuten) des WDR 2020/21 über Wirtschaftswunder, Selbstbewusstsein („Wir sind wieder wer!“), Wohlstand (und Autokauf). Der bundesweite Ausbau von Autobahnen und Bundesstraßen ab 1960 erweiterete den Bewegungsraum. Das Bundesurlaubsgesetz sah ab 1963 bei voller Lohnfortzahlung mindestens 24 Urlaubstage im Jahr für Arbeitnehmer vor. Diese Ausdehnung von Raum und Zeit schuf neue Möglichkeiten des Unterwegs-Seins.
  • Freie Fahrt für freie Bürger
    Slogan des ADAC nach der Ölkrise 1973 anlässlich des generellen Tempolimits.
  • Like A Rolling Stone
    Lied von Bob Dylan 1965
  • Go West
    Slogan amerikanischer Pioniere an der Frontier in Nordamerika.
  • Niemand ist eine Insel
    John Donne (1572 - 1631), Meditation XVII: Devotions upon Emergent Occasions: „No man is an island entire of itself; every man/ is a piece of the continent, a part of the main; …“
  • Freiheit ist ein Segel, prall im Sturm der Sehnsucht, schlaff in der Gewohnheit der Windstille
    Hans Kasper (1916-1990), Aphorismen I-III. Düsseldorf 1961−1965: Econ.
  • Reisende muss man nicht aufhalten
    Nach Karl Friedrich Wilhelm Wander 1873 aus Don Quixote, jedoch dort nicht auffindbar.
  • Visafrei bis nach Hawaii
    Visafrei bis Schanghai
    Freie Fahrt nach Gießen
    Slogans auf Transparenten: Der Ruf nach Reisefreiheit stand ganz vorn bei den Montagsdemonstrationen in der DDR im Herbst 1989 (siehe auch: Henley Passport Index)

Aufbruch (17)

Aufbruch

  • Abfahren!
    Slogan (Claimer) des Fernreisemobiltreffens
  • Ab in den Süden!
  • Auf zu neuen Küsten.
    Strand
  • Ins Blaue fahren.
    Aufbruch, Horizont
  • Dolce far niente. (ital.)
    Zeit, → Freizeit, → Flaneur, → Strand-ABC
  • Go West.
    frontier, → Weites Land, → Waldläufer
  • Den sicheren Hafen verlassen
  • Reif für die Insel
  • My home is my castle
  • Overland and beyond\ → frontier, → Weites Land
  • Plus ultram. (Latein) im 16. Jh.: plus oultre (franz.), noch weytter
    Lateinischer Wappenspruch Karls V. angebracht an den Säulen des Herakles, die seit je als Grenze der bewohnten Welt galten (non plus ultra) mit dem Ozean (`der die Erdscheibe umfließende Weltstrom´) dahinter.
  • Schön ist es auch anderswo.\ »Warum soll ich nicht beim Gehen\ - Sprach er - in die Ferne sehen?\ Schön ist es auch anderswo,\ Und hier bin ich sowieso.«\ 1882 Wilhelm Busch: Plisch und Plum
    Freiheit, → Fernweh, → Unterwegs-Sein
  • Wenn jemand eine Reise tut,
    so kann er was verzählen.
    D'rum nahm ich meinen Stock und Hut
    Und tät das Reisen wählen.
    1790 Matthias Claudius (1740-1815): Urians Reise um die Welt Online
    Reiseliteratur, → Wanderstock
  • Den Staub von den Füßen schütteln
    Matthäus 10,14; Apostelgeschichte 13,51
  • Vogliamo tutto. (ital.)
    `Wir wollen alles´
    → Der Einzelne

Fortbewegung

Fahren (7)

Fahrt

Zu Fuß unterwegs (4)

Wandern, Fußreisen, Liste der Begriffe für 'zu Fuß unterwegs', Literaturliste Fußreisen

  • Fersengeld geben.
    Meist im Sinne von ‘fliehen, sich davonmachen’ seit dem 13. Jahrhundert nachweisbar, aber etymologisch nicht sicher zu klären, eine »Unique constituent« und nicht in anderen Sprachen nachweisbar. Es kann auch `Ausgleichszahlung´ bedeuten 1)
  • Gang nach Canossa.
    1077 pilgerte König Heinrich IV. zur Buße nach Italien und bat Papst Gregor VII. den Kirchenbann aufzuheben.
    Gehen im Unterschied zu Fahrt und Reisen, → peregrinatio
  • Das Wandern ist des Müllers Lust…
    Die erste Zeile eines Volksliedes von Wilhelm Müller (1794−1827), es folgt: „Das muß ein schlechter Müller sein, dem niemals fiel das Wandern ein…“

Rad & Wagen (2)

→ Rad Rad, Wagen

  • Das fünfte Rad am Wagen.
    Taugenichts, → Bruder Leichtfuß
  • Wie das Fuhrwerk läuft, sagte der Teufel auf dem Kutschbock, da hatte er einen Mönch und Junker an- und eine Hure vorgespannt.
    Klosterspiegel, 43, 21, nach K. F. W. Wander: Deutsches Sprichwörter-Lexicon

Auf dem Wasser (2)

Gewässer

  • Der Kapitän verlässt das Schiff als Letzter
    Stehende Regel in der Seefahrt
  • Der Lotse geht von Bord
    1890 erschien im englischen Satiremagazin Punch eine Karikatur mit dem Titel Dropping the Pilot, die Bismarck beim Verlassen eines Schiffes zeigte und auf seine Entlassung als Kanzler 1890 zielte.

Fliegen (3)

  • Nur Fliegen ist schöner.
    1968 Werbespruch für den Opel GT
    Automobil
    • Comme un oiseau
  • Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein.
    1974 Liedzeile von Reinhard Mey

Lasten tragen (4)

Last, Gepäck

  • Das Bündel schnüren.
    Aufbruch, → Freiheit
  • Eulen nach Athen tragen
    In der Komödie Die Vögel (Ornithes, 414 v. Chr.) von Aristophanes heißt es Τίς γλαῦκ’ Ἀθήναζ’ ἤγαγεν
    • Piirainen, Elisabeth
      Bier mit ins Hofbräuhaus nehmen oder Sand in die Sahara tragen? Nochmals zum Idiomtyp „Eulen nach Athen tragen“. Proverbium 19 (2002) 349-360.
  • Sein Ränzlein (schnüren, schultern, packen) und gehen.
    Mehrere Volkslieder ab 1780 2) in:
    Heute wollen wir das Ränzlein schnüren …
    Ein Ränzlein auf dem Rücken …
    Kommt, lasst uns ein Ränzlein schnüren …
    1838 als Gedichtanfang (Auf die Reise frisch begonnen Und das Ränzlein wohl geschnürt Abschied ist gar bald genommen Wo das Scheiden Niemand rührt …) Der Abschied, S. 7 in: Hermann Schulz
    Wanderbuch Ein Gedicht in Scenen und Liedern von Leipzig 1838 : F.A. Brockhaus
    „Das Ränzlein schnüren“ bedeutete ein Gepäckstück auf beiden Seiten so zu binden, dass es wie eine große Wurst aussah; als solche wurde es um den Hals gelegt.

Wege (9)

Weg, Pfad, Straße

  • Alle Wege führen nach Rom.
    Wegfindung
  • Auf dem richtigen Weg sein.
  • In die Wege leiten.
  • Mit auf den Weg geben.
  • Op pad. (Africaans)
    Unterwegs-Sein
  • Wo wir hinfahren, brauchen wir keine Straßen.
    1985 Ausspruch von Doc Emmet Brown aus Zurück in die Zukunft
    Road Movie, → phantastische Orte
  • Freie Bahn
  • Road to Hell
  • sicut qui mittit lapidem in acervum Mercurii ita qui tribuit insipienti honorem
    (Altes Testament, Sprichwörter 26,8) Am acervus mercurii wurden die Beschützer der Wege geehrt und angerufen.

Zwischenraum (5)

Zwischenraum

  • Allein auf weiter Flur.
    1815: Ludwig Uhland (1787-1862): Schäfers Sonntagslied Online
    Locus amoenus (Bukolik), → Waldeinsamkeit, → Einzelne, → Landschaft, → Zwischenraum, → Frugalismus
  • Back to Earth
  • Dr. Livingstone, I presume?
    Am 10.11.1871 begegnen sich bei Tanganyka der amerikanische Journalist Harry Morton Stanley und der britische Missionar David Livingstone mit diesen Worten.
    • Pascal Engel
      Dr Livingstone, I Presume?
      Episteme, Episteme Conference, 18.3 (2021) 477-491. ⟨10.1017/epi.2021.35⟩. ⟨hal-03643984⟩ Online
  • Zwischen Skylla und Charybdis
    12. Gesang der Odyssee

Hindernisse

Krankheit, Notlage, Pannen, Unfall

  • Auf falscher Fährte.
  • »Durch diese hohle Gasse muß er kommen. Es führt kein andrer Weg nach Küssnacht.«
    Friedrich Schiller: Wilhelm Tell IV, 3. In der Hohlen Gasse von Küssnacht nach Immensee soll Wilhelm Tell 1307 Hermann Gessler erschossen haben, den Landvogt der Habsburger.

Geleitschaft (2)

Gesellschaft (1)

Gast, Fremder

  • Gast und Fremdling
    „ein Gast und Fremdling auf dieser Erde“, S. Seite 530 in: Dietrich Bonhoeffer: Illegale Theologenausbildung: Sammelvikariate 1937-1940, Dirk Schulz (Hg.) Werke 15, 1998.

Erfahrung

  • Die beste Bildung findet ein gescheiter Mensch auf Reisen.
    Johann Wolfgang von Goethe 1748-1832: Wilhelm Meisters Lehrjahre, 1795. Aus einem Brief an Wilhelm im zweiten Kapitel des fünften Buches.

Ziele erreichen (7)

  • Caput Nili quaerere. (latein.)
    Das Bild Afrikas, → Problemlösung
  • Hakuna matata. (Kiswahili)
    `Es gibt keine Probleme.´
    Problemlösung
  • Das Ei des Kolumbus.
    Problemlösung, → Gewalt
  • Wo ein Wille ist, findet sich auch ein Weg.
    Diese Redewendung ist weder deutsch noch sehr alt, sondern erscheint zuerst im Englischen 1822 als »Where there is a will, there is a way«
    Woher stammt die Redewendung »Wo ein Wille ist, (da) ist auch ein Weg«?
    Der Sprachdienst 6/2017
    Jennifer Speake
    The Oxford Dictionary of Proverbs
    5. Aufl., Oxford: Oxford University Press, 2008, S. 346
    Sandreczki, C
    Reise nach Mosul und durch Kurdistan nach Urumia
    unternommen im Auftrage der Church Missionary Society in London 1850
    In brieflichen Mittheilungen aus dem Tagebuche. Steinkopf, 1857, Zweiter Teil S. 45, Fussnote


Problemlösung, Orientierung

  • Der Tourist zerstört, was er sucht, indem er es findet
    Hans Magnus Enzensberger (Theorie des Tourismus) zugeschrieben, jedoch ein stehender Begriff in Diskussionen über die Folgen des Tourismus.
  • Reisen ist die Sehnsucht nach dem Leben
    Kurt Tucholsky (1890-1935) zugeschrieben, dort jedoch nicht nachweisbar.
  • Die viel wallfahren, werden selten heilig.
    Lateinisches (Qui multum peregrinantur raro sanctificantur.) Originalzitat von Thomas von Kempen (um 1380−1471): De imitatione Christi I, 23.

Literaturliste zu Reise-Metaphern

1)
Mulli, Juha
Observations on unique constituents in German. S. 80 in: Jani-Matti Tirkkonen,Esa Anttikoski: Proceedings of the 24th Scandinavian Conference of Linguistics. Joensuu 2013: University of Eastern Finland. Online.
2)
1783 in: J.G. Schlosser, Volkslieder, Bd. 2, Leipzig 1819
wiki/metaphern_unterwegs_gefluegelte_worte.1779365046.txt.gz · Zuletzt geändert: von Norbert Lüdtke

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